Till Eulenspiegel Schule Bonn

Grundschule & Offene Ganztagsschule

Schulhofprojekte

Nutzungsanalyse

Wie ist es jetzt auf dem Schulhof?

Ein Leitgedanke zum Leben, Lernen und Leisten in der Till-Eulenspiegel-Schule ist, dass schulinterne Verhaltensregeln und Angelegenheiten im Zusammenleben der Schulgemeinde von den Kindern demokratisch mitgestaltet und begründet werden. Die Kinder sollen sich angenommen und ernst genommen fühlen.

Wie ist es jetzt auf dem Schulhof?

So begann die Suche nach einem schöneren Schulhof mit Fragen an die Kinder. Zunächst wurden die Stärken und Schwächen des bestehenden Schulhofs erfasst, indem die Kinder, aber auch das Lehrerkollegium und die Nachmittagsbetreuung von Kunterbunt zur aktuellen Nutzung befragt wurden. Die Kinder berieten darüber, welche Flächen, Ecken, Spielgeräte etc. ihnen auf ihrem Schulhof gut gefallen und mit welchen sie (warum?) unzufrieden sind. Ein weiterer Aspekt bei dieser ersten Beurteilung war die Frage nach Orten, wo es besonders oft Streit gibt. Lehrer und Betreuer von Kunterbunt wurden anhand eines Fragebogens zum Schulhof befragt, der unter anderem die folgenden Fragen enthielt:

  • Wo spielen die meisten Kinder?
  • Wo spielen die Kinder in größeren/kleineren Gruppen?
  • Welche Orte sind besonders beliebt? Was wird dort gespielt?
  • Welche Orte sind unbeliebt?
  • Wo kann man ungestört sein?
  • Was kann man gar nicht machen?
  • Wie viele Kinder stehen einfach nur herum?
  • Welche verbotenen Dinge machen die Kinder?

Die Lehrer und die Kunterbunt-Betreuer kommen zur gleichen Bewertung von Vorder- und Hinterschulhof, wie die Kinder auch. Die Nutzungsanalyse zeigte:

  • es existiert ein Mangel an Spiel- und vor allem Rückzugsmöglichkeiten auf dem Vorderschulhof (daher Streit an den wenigen vorhandenen Spielmöglichkeiten)
  • ein starker Wunsch nach Natur und Rückzugsmöglichkeiten
  • eine klare Unterscheidung in einen als "unschön" und "öde" erlebten Vorderschulhof und einen als viel besser bewerteten Hinterschulhof.

Die beliebtesten Ecken des Schulhofes sind die Gebüsche des Hinterschulhofs, verbotene Gebüschecken und wilde Ecken unter den Gebäudeteilen. In den wenigen grünen Ecken vor dem Kunterbunt-Eingang werden Höhlen gebaut. Offene Grünflächen auf dem Schulhof sind bis zur Unkenntlichkeit übernutzt. Kein Zweifel: die Kinder zieht es in die wenigen Grünflecken, die der Schulhof zu bieten hat. In seiner jetzigen Form ist der Vorderschulhof öde und leer, ein Musterbeispiel dafür, wie ein angemessener Ort für die Entwicklung der Kinder eben nicht gestaltet sein sollte.


Wünsche, Sehnsüchte, Ideen: Die Klassenmodelle

Wünsche, Sehnsüchte, Ideen: Die Klassenmodelle

Ausgehend von der Frage, was sie denn auf dem Schulhof machen möchten, haben die Kinder in den einzelnen Klassen Gestaltungsvorschläge für den Schulhof gesammelt. Die favorisierten Gestaltungselemente wurden von jeder Klasse in einem Modell dargestellt. Diese Arbeit begeisterte die Kinder.

Sie sammelten Material und gestalteten an Projekttagen ihre Schulhofelemente liebevoll mit vielen Details. Eine Mutter stellte für diese Arbeit Knete her, ein Vater zimmerte für die Klassenmodelle die tragenden Holzgestelle. Einige Modelle sind sehr detailgetreu gestaltet, andere sind wundervolle Modellierungen wilder Landschaften. Alle Modelle waren so gewinnend und von solcher Ausdruckstärke, dass sich die staunenden Erwachsenen dem Charme der Kinderwünsche nicht entziehen konnten. 

 

Das zeigen die Klassenmodelle:

Mehr als zwei Drittel der Kinder wünschen sich Wasser in Form eines Brunnens, Wasserlaufs oder Sees auf dem Schulhof. Jedes Modell enthielt das Element Wasser. In einem Modell entsprang der Wasserlauf einer großen Till-Eulenspiegel-Figur, der Identifikationsfigur der Schule.

Der zweite große Wunsch war ein Irrgarten. Hier findet sich der Wunsch nach Rückzug und Verstecken und Verborgensein wieder.

An dritter Stelle der Hitliste standen Baumhäuser gefolgt von Kletterlandschaft und Kletterhügel. Klettern ist gleichfalls Bestandteil eines jeden Modells. Dargestellt wird das Klettern nach oben, aber auch in die Horizontale: balancieren, bücken beim Klettern, seitlich entlang hangeln, hochklettern und dann runterschwingen oder rutschen.

Ein Tiergehege ist der nächst größere Wunsch. Eine kleine Ziege hat im Modell ein wunderschönes Gelände bekommen.

Auch ein Blumengarten, etwas nur zum Anschauen und Riechen sowie eine Arena zum Sitzen wurden gewünscht.

Faszinierend: alle Modelle zeigen eine natürliche Geländemodellierung.

Die Kinder haben an den Projekttagen nicht nur am Klassenmodell gearbeitet, sondern ihre Wünsche aufgeschrieben und gemalt und die Klassenmodelle diskutiert. Es gab eine Abstimmung unter den Kindern, um die dringlichsten Wünsche zu ermitteln.


Ein Gesamtkonzept entsteht: Tills Traumschulhof

Die Zukunft gehört allen. Doch wo sind die Gelegenheiten, bei denen alle, die es wollen, ihre Wünsche, Hoffnungen, Ideen und Vorschläge so deutlich und unüberhörbar kundtun können, dass sie sich als einflussreiche Mitgestalter einer Welt fühlen können, in der sie und ihre Kinder leben werden? (Robert Jungk in: Zukunftswerkstätten)

Im Frühsommer 2006 bildete sich ein Forum, um alle Betroffenen und Beteiligten der Schulgemeinschaft an einen Tisch zu holen und das Schulgelände und die Veränderungsmöglichkeiten zu erörtern.

Dieses Schulgeländeforum bestand aus der Planungsgruppe, der Schulleitung, 3 weiteren LehrerInnen, 4 bis 5 Eltern, der Leiterin der Nachmittagsbetreuung Kunterbunt, 1 bis 2 weiteren KunterbuntmitarbeiterInnen und dem Hausmeister. Zu einer Sitzung kam auch ein Mitarbeiter vom Städtischen Gebäudemanagement. Das Schulgeländeforum sichtete die Klassenmodelle sowie die schriftlichen Aufzeichnungen, die vom Kollegium, den Schülern und den KunterbuntmitabeiterInnen zusammengetragen wurden und erstellte dann gemeinsam ein Gesamtkonzept:


Tills Traumschulhof

Ein Tiergehege mochte sich keiner auf dem Schulhof vorstellen, aber alle anderen Wünsche konnten mühelos - und mit großem Vergnügen bei allen Beteiligten - auf dem Schulgelände "untergebracht" werden.

Bei der Gestaltung galt es einiges zu berücksichtigen:

  • Der öffentliche Teil des Hofes sollte die repräsentativen, aber auch die weniger zerstörungsanfälligen Elemente aufnehmen, während der Hinterschulhof kleinräumige, pflegeintensive Elemente beherbergen kann. Der Vorderschulhof wird abends und am Wochenende auch von Jugendlichen besucht und soll deshalb so gestaltet werden, dass er ihnen einen Raum zum Treffen bietet, aber nicht zur Zerstörung aufruft.
  • Die Kinder brauchen ein strukturiertes Außengelände, das ihnen vielfältige Bewegungsmöglichkeiten, Naturbeobachtung und das Spielen in Gruppen von wechselnder Größe und Zusammensetzung ermöglicht. Eine großflächige Entsiegelung und eine großzügige Geländemodellierung sind hierfür die Grundvoraussetzung.
  • Die Kinder wünschen und brauchen eine natürliche Umgebung, in der sie die Elemente (Luft, Erde, Wasser) erfahren und ihre eigenen Fähigkeiten im Zusammenhang damit erproben können. Dieser Kontakt mit der belebten Natur soll ihnen insbesondere mit einem Wasserlauf und einer Versickerungsstelle ermöglicht werden.
  • Die Kinder brauchen die Vielfalt natürlicher Bewegung, wie verstecken, klettern, balancieren, hangeln und runterspringen. Natürliche Bewegungsmuster zu fördern statt einförmiger „sportlicher“ Bewegungen, erfordert eine Gestaltung, die sich eher an Urwald, Klamm und Flussufer orientiert, als an einem Park. Die Freude an Abenteuer und Risiko als Teil des Erlebens und Lernens gilt es unbedingt zuzulassen und das Gelände soll die motorischen Fähigkeiten der Kinder fordern. Sie sollen lernen, Risiken einzuschätzen.
  • Kinder möchten und müssen den Raum, der sie umgibt, gestalten und immer wieder verändern können. Sie sollen keinen perfekten Spielplatz hingestellt bekommen, denn sie müssten ihn zerstören, um ihr Bedürfnis nach Bauen und Gestalten ausleben zu können. Die Kinder sollen ungestaltete Ecken mit freiem Material zur Verfügung gestellt bekommen. Der Schulhof soll offen bleiben und auch kommenden Schülergenerationen Gestaltungsmöglichkeiten geben.
  • Kinder gestalten nicht nur gerne, sondern hegen und pflegen mit großer Hingabe. Wir können kein kleines Ziegengehege bieten, wohl aber Beete, die gemeinsam gepflegt werden und eine durch heimische Flora angelockte Schar kleiner wildlebender Tiere, wie Insekten, Schmetterlinge, Frösche und Vögel, deren Lebensraum beobachtet werden kann.

Das Team von Kunterbunt e.V. erhofft sich Raum für Eigeninitiativen (nicht nur) der Kinder und einen Arbeitsplatz für das pädagogische Team, der statt Kontrolle über Streit und Schürfwunden zu erfordern auch ein Platz zum Bewegen, Forschen und Genießen mit den Kindern ist.

Im Anschluss an eine Besichtigung des Außengeländes wurde unser Modell "Tills Traumschulhof" mit einem Vertreter des Rheinischen Gemeindeunfallversicherungverbands besprochen und dafür Zustimmung erhalten. Die Versicherungsträger sind inzwischen vom Konzept der naturnahen Gestaltung des Schulhofes sehr überzeugt. Der Rheinische Gemeindeunfallversicherungsverband gibt eigenes Anschauungsmaterial dazu heraus. Der Gesamtentwurf für das komplette Außengelände gewann beim Wettbewerb "Grün macht Schule" im Herbst 2006 den ersten Preis.


Wie es weitergehen soll

Die Planungsgruppe wird sich um die nötigen Bauanträge und Genehmigungen bei der Stadt kümmern und den Prozess sowie alle beteiligten Kräfte steuern. Die Schulgemeinschaft wird den Schulhof gemeinsam umgestalten, d.h. die Kinder mit ihren Eltern und Lehrern und dem Team von Kunterbunt! Es wird Aufgaben geben, die nur von Fachleuten ausgeführt werden können. Diese zu finden wird eine weitere Aufgabe der Planungsgruppe sein. Aber buddeln, Pflanzen setzen, Mosaike kleben, pflastern, Palisaden setzen, Seile spannen, Kronholz festnageln und vieles mehr können Eltern mit ihren Kindern. In Projektwochen, in denen Seite an Seite mit Profis gearbeitet wird, kann so Schritt für Schritt der neue Schulhof entstehen.

Die asphaltierte Fläche, die entsiegelt, modelliert und natürlich gestaltet werden soll, beträgt ca. 1.430 Quadratmeter. Für diese Fläche sind 80 Euro je qm grob veranschlagt. Die jetzige "Grünfläche", die umgestaltet werden soll beträgt ca. 2.190 qm. Für diesen Untergrund sind 30 Euro je qm kalkuliert. So werden Umbaukosten von schätzungsweise 200.000 Euro zusammen kommen. Diese Kosten werden sich reduzieren, wenn viel Arbeitszeit und Material von Freunden und Förderern der Schule zusammen kommt.

Die Stadt Bonn hat nicht die finanziellen Möglichkeiten, den Schulhof zu realisieren. Die Schule wird viele Freunde, Helfer und Sponsoren brauchen. Um die Anwerbung der Sponsoren wird sich die Planungsgruppe unterstützt von Helfern kümmern.

Mit Informations-Flyern und ansprechend gestalteten Präsentationsmappen sollen mögliche große und kleine, lokale Sponsoren angeworben werden. Und wir hoffen, wir werden viele für die Idee begeistern können, denn der grüne Traumschulhof ist nicht nur ein Gewinn für die Kinder der Schule, sondern als ökologische Oase ein Gewinn für den ganzen Siedlungsbereich.

Ein erster Schritt ist bereits getan, wie auf den nächsten Seiten zu sehen ist. Der Hinterschulhof erschien dem Schulgeländeforum nicht so dringlich zu sein, wie der Vorderschulhof. Das gewünschte Labyrinth soll im Sommer mit Elternhilfe auf dem Hinterschulhof entstehen. Das große Projekt, bei dem die Schulgemeinschaft auf Hilfe und Förderung dringend angewiesen ist, soll hier auf den folgenden Seiten detailliert vorgestellt werden:

Gewünscht wird in einem großen Wurf den Vorderschulhof zu entsiegeln und die Geländemodellierung und den Brunnen mit der Till-Figur und dem Wasserlauf zu realisieren.